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Die Lehrveranstaltungen unserer Lehrbeauftragten im Wintersemester 2020/21

Liebe Studierende,

gerne machen wir Sie auf das Veranstaltungsangebot unserer Lehrbeauftragten im Wintersemester 2020/21 aufmerksam:

Weitere Einzelheiten finden Sie nachstehend.

Durch Anklicken des jeweiligen Veranstaltungstitels können Sie darüber hinaus direkt zum HisInOne gelangen, wo weitere Informationen wie Anforderungen oder Anmeldemodalitäten zu finden sind:


Dr. des. Benjamin Burkhart: "Hip-Hop Studies, Themen und Fragestellungen"

Hip-Hop kann mittlerweile auf eine mehrere Jahrzehnte überdauernde Geschichte zurückblicken. In den 1970er-Jahren in den USA entstanden, ist vor allem Rap als musikalische Komponente der Hip-Hop-Kultur seit vielen Jahren global verbreitet. Seit einiger Zeit weckt Hip-Hop auch das Interesse von Wissenschaftler*innen, sodass sich inzwischen die Bezeichnung Hip-Hop Studies etabliert hat. Gemeint ist damit ein interdisziplinäres Forschungsfeld, das Hip-Hop als kulturelles Phänomen analysiert. Perspektiven bieten u. a. Kultursoziologie und -ethnographie, Medien- und Musikwissenschaft und Gender Studies. Potenzielle Themen sind dementsprechend bspw. Konstruktionen von Ethnizität und Geschlecht sowie medien- und musikanalytische Perspektiven. Im Seminar werden zentrale Ansätze der Hip-Hop Studies diskutiert und anschließend auf eigene Fragestellungen angewandt. 

Zur Person: Dr. des. Benjamin Burkhart ist seit 2018 wissenschaftlicher Mitarbeiter im BMBF-Projekt "Musikobjekte der populären Kultur" am Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Sein Studium der Musikwissenschaft absolvierte er an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und am Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena. 2019 schloss er seine Promotion am Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena ab, gefördert durch ein Doktorandenstipendium der Ernst-Abbe-Stiftung. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Auditive Medienkulturen, Analyse und Ästhetik populärer Musik und Jazz sowie Qualitative empirische Methoden in der Musikforschung. 

 

Prof.h.c. Franz Leithold: "Kamerastile in Filmgeschichte und Filmpraxis"

Über Konzepte der Filmmontage wurde unter Filmemacher*innen und Filmwissenschaftler*innen seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts viel diskutiert und publiziert. Der künstlerische Beitrag der Kameraleute bei der Schaffung eines Filmwerkes fand aber lange Zeit kaum eine angemessene Würdigung oder gar wissenschaftliches Interesse. Zwar war die Bildgestaltung immer auch abhängig von den jeweiligen technischen Rahmenbedingungen und eine Reaktion auf kameraspezifische Innovationen, auch dürfen die ästhetischen Vorgaben der Regieführenden nicht unberücksichtigt bleiben. Dennoch haben einige Kameraleute ihren eigenen Stil entwickelt und können durchaus als Kameraautor*innen bezeichnet werden. So haben Bildkünstler*innen wie Michael Ballhaus, Raoul Coutard, Judith Kaufmann, Slawomir Idziak oder Rachel Morrison die Bildästhetik vieler Filme entscheidend geprägt.

Zur Person: Prof. h.c. Franz Leithold ist Leiter des Medienzentrums und stellvertretender Direktor der Universitätsbibliothek Freiburg (UB). Er studierte Slavistik und Germanistik an der Universität Freiburg und wurde 1988 promoviert. 2004 initiierte er die Gründung von uni.tv, dem studentischen Fernsehsender der Albert-Ludwigs-Universität. Sieben Jahre später übernahm Leithold auch die Leitung des Uni-Radios und die Redaktion des Studierendennewsletters. 2014 führte er die drei journalistischen Ausbildungsredaktionen unter dem Namen uniCROSS zusammen: Seither arbeiten die Studierenden crossmedial und setzen vielfältige medienpraktische Projekte um. Seit 2015 ist er neben der Leitung des Medienzentrums auch stellvertretender Direktor der Universitätsbibliothek Freiburg.

 

Fanny Opitz: "Theorie und Praxis des Hörspiels"

Das Seminar findet in Kooperation mit den ARD-Hörspieltagen (4.-8. November in Karlsruhe; inklusive zweitägige Festival-Exkursion dorthin) und dem SWR-Studio Freiburg statt.
Der 30. Oktober 1938 ist eine Sternstunde für die Hörspielgeschichte. Orson Welles inszeniert auf den Sendern des Radio Networks CBS sein Hörspiel „The War of the Worlds“ – und das mit allen Mitteln, die die Hörspieltrickkiste bis dahin hergibt: Eilmeldungen über Marsmenschen auf dem Weg zur Erde unterbrechen die Unterhaltungsmusik, Experten melden sich zu Wort und sogar ein Augenzeuge wird zugeschaltet. All dies führte zu einem Großauflauf in New York – man hatte tatsächlich Angst vor einer Alien-Invasion.
Welles „The War of the Worlds“ ist nur ein Beispiel für die gesellschaftliche Relevanz des ersten, eigens für den Hörfunk produzierten Genres. Im Seminar beschäftigen wir uns mit vielen weiteren Schlaglichtern aus der 100-jährigen Tradition des Hörspiels – von den Anfängen in den 1920er Jahren bis hin zum experimentellen Hörspiel. Besondere Berücksichtigung erfahren im theoretischen Teil des Seminars Praktiken, die für die Radiokultur und Rundfunkgeschichte rund um das Hörspiel prägend sind: die Kanonisierung von Hörspielen, die Formatgestaltung und Formatentwicklung sowie die Konkurrenz zu weiteren Medien. Wir diskutieren medientheoretische Schlüsseltexte des Genres, setzten uns mit der Perzeption von auditiven Formaten auseinander, beleuchten Tätigkeitsfelder rund um die Hörspielproduktion und analysieren Hörspiele.
Im praktischen Teil des Seminars setzen wir das Gelernte um. Wir konzipieren und produzieren ein Hörspiel im SWR-Studio Freiburg.
Highlight des Kurses ist der gemeinsame Besuch der ARD-Hörspieltage (4.-8. November 2020). An zwei Tagen werden wir vor Ort in Karlsruhe die neuesten Entwicklungen und Trends der Hörspielszene kennenlernen und uns mit Hörspielmachern vernetzen.

Zur Person: Fanny Opitz wurde 2019 an der Universität Potsdam promoviert. Ihr Forschungsinteresse gilt der europäischen und amerikanischen Journalismusgeschichte, insbesondere der komparatistischen Reportage-, Feuilleton- und Magazinforschung. Sie arbeitet als Moderatorin, Autorin und Produzentin für die Kulturwellen des SWR und WDR und ist Dozentin am Institut für Medienkulturwissenschaft der Universität Freiburg.

 

Vera Podskalsky: "Wissenschaftsvermittlung und Fake News am Beispiel von Klimawandel- und Corona-Debatten"

„People have had enough of experts” – diese Aussage des britischen Politikers Michael Gove wird in Fake News-Debatten immer wieder zitiert. Umfassende Wissenschaftsskepsis oder die Ablehnung bestimmter wissenschaftlicher Akteur*innen gehen der Verbreitung von Falschinformation häufig voran. Über Faktenchecks und Wissenschaftskommunikation soll hier gegengesteuert werden, nicht selten resultiert daraus allerdings eine noch umfassendere Polarisierung.
Anhand von Klimawandel- und Corona-Debatten nimmt das Seminar diese Zusammenhänge in den Blick. Nach einführender Beschäftigung mit Begriffsbestimmungen und theoretischen Modellierungen von vernetzten Öffentlichkeiten erfolgt die Analyse von Fallbeispielen. Hierzu gehören etwa die Kommunikation um den Virologen Christian Drosten oder die juristische Auseinandersetzung zwischen dem Recherchezentrum Correctiv und dem Onlinemagazin „Tichys Einblick“ aufgrund eines Klimawandel-Faktenchecks. Dabei liegt der Fokus auf diskursiven Strategien und Argumentationsstrukturen zur Herstellung (pseudo-)wissenschaftlicher Autorität.

Zur PersonVera Podskalsky ist Doktorandin am Graduiertenkolleg "Faktuales und fiktionales Erzählen" der Universität Freiburg. Sie studierte von 2010 bis 2016 Germanistik, Frankoromanistik und Ethik der Textkulturen (Elitenetzwerk Bayern) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Im Anschluss an ihr Studium in Erlangen begann Vera Podskalsky außerdem ein weiteres Masterstudium in Journalistik an der Universität Leipzig.

 

PD Dr. habil. Andreas Rauscher: "Spike Lee und das New Black Cinema - Perspektiven, Transformationen des Afro-Amerikanischen Kinos seit den 1990er Jahren"

Die brutale Ermordung des afro-amerikanischen Bürgers George Floyd im Mai 2020 in Minneapolis durch einen Polizisten rief auf verstörende Weise Bilder in Erinnerung, die im Sommer 1989 für rege Diskussionen um den Spielfilm Do the Right Thing sorgten. Das Bürgerrechtsdrama des Regisseurs Spike Lee um die episodischen Ereignisse am heißesten Tag des Jahres rund um eine Pizzeria im New Yorker Stadtteil Brooklyn endet mit der Ermordung eines farbigen Jugendlichen durch die Polizei.
Die Kontinuität zwischen der gegenwärtigen Situation und der damaligen filmischen Aufbereitung von Rassismus und Polizeigewalt arbeitete Spike Lee selbst noch einmal heraus. In einem Video-Essay kombinierte er die einprägsame Sequenz aus seinem eigenen Film von damals mit den dokumentarischen Aufnahmen des Mordes an Floyd von heute. Die aufrüttelnde Montage belegt nicht nur die Parallelen zwischen fiktionaler Warnung und bis heute anhaltendem Unrecht. Sie veranschaulicht auch die Aktualität und Relevanz, über die das Ende der 1980er und zu Beginn der 1990er Jahre von Regisseur*innen wie Spike Lee, Stacey Dash, John Singleton und Mario Van Peebles initiierte New African-American Cinema bis heute verfügt.
Als prominentester Vertreter eines ebenso vielschichtigen, wie politisch ambitionierten und stilprägenden afro-amerikanischen Kinos bewegt sich der ähnlich wie Martin Scorsese fest mit der Stadtgeschichte New Yorks assoziierte Spike Lee zwischen ambitioniertem, formal experimentierfreudigem Independent-Kino und politischen Korrekturen innerhalb des Hollywood-Systems. Mit Produktionen wie dem prominent mit Denzel Washington und Angela Bassett besetzten Biopic um den Bürgerrechtler Malcolm X (1992), der Milieustudie Summer of Sam (1998) oder dem satirischen Thriller BlackKklansman (2018) realisierte er hochgradig reflektierte Genrevariationen. Die mit feministischen Untertönen versehene Charakterstudie She’s Gotta Have It (1986), die zwischen distanzierenden Verfremdungseffekten und fesselndem Drama changierende Milieustudie Do the Right Thing (1989) und das provokante Polit-Musical Chiraq (2015) stehen hingegen ganz im Zeichen innovativer erzählerischer Experimente mit der filmischen Form.

Zur Person: PD Dr. habil. Andreas Rauscher ist Akademischer Oberrat für Medienwissenschaft und Medienästhetik mit den Forschungsschwerpunkten Filmwissenschaft, Game Studies und Cultural Studies an der Universität Siegen. Er vertrat im Sommersemester 2017 eine Professur für Medienkulturwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und zuvor von Mai 2016 bis März 2017 eine Professur für Medienwissenschaft (Schwerpunkt: Film) an der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Seit Herbst 2014 ist an der Universität Siegen, sowie freier Journalist und Kurator (Ausstellung Film & Games im Filmmuseum Frankfurt, 2015), zuvor 2008-2014 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Filmwissenschaft an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.

 

Dr. Anna Sennefelder: "Aufmerksamkeistökonomie, Ästhetischer Kapitalismus und zeitgenössische Mediengestaltung"

„Die Aufmerksamkeit anderer Menschen ist die unwiderstehlichste aller Drogen. Ihr Bezug sticht jedes andere Einkommen aus“ – mit diesem intuitiv sehr eingängigen Befund hat Georg Franck 1998 seine vielfach rezipierten und kontrovers diskutierte Ökonomie der Aufmerksamkeit begonnen. Aber wie lässt sich menschliche Aufmerksamkeit überhaupt verstehen und beschreiben? Lässt sich das mit ökonomischen Begriffen und Modellen adäquat bewerkstelligen? Kann man Aufmerksamkeit als ‚Produktionsmittel‘, als ‚Einkommen‘ und als ‚Ressource‘ begreifen und wenn ja, was bedeutet eine so verstandene Aufmerksamkeitsökonomie für den täglichen Medienkonsum, die Mediengestaltung und Rezeption? Oder greift ein solches Verständnis zu kurz und muss Aufmerksamkeit vielmehr als wandelbares Phänomen kultureller Aushandlungsprozesse verstanden werden? Wenn Aufmerksamkeit sich tatsächlich als konkurrierendes Währungssystem zum Finanzkapitalismus entwickelt haben sollte – was bedeutet das für die kapitalistische Ordnung? Kann man diese Phase des Kapitalismus, in der wir uns aktuell befinden, mit Gernot Böhme Ästhetischen Kapitalismus (2016) nennen? Und welche Rolle kommt den ‚neuen‘ – also den digitalen und sozialen Medien – zu, wenn es um das Erhalten, Steuern und Vergeben von Aufmerksamkeit bzw. um das Kreieren von „Inszenierungswerten“ (Böhme 2016) geht? Und mit welchen Methoden lassen sich spezifische Muster zur „Aufmerksamkeitsgewinnung“ (Hieckethier 2002, 10) medienkulturwissenschaftlich kategorisieren, untersuchen und interpretieren?

Zur Person: Dr. Anna Sennefelder ist seit 10/2018 Postdoktorandin und Koordinatorin des Forschungskollegs ›Neues Reisen – Neue Medien‹ und forscht im Rahmen ihres Habilitationsprojekts zur Ideologie und Medialisierung zeitgenössischer Repräsentationen von Reiseerfahrung. Von 2017 bis 2018 war sie Koordinatorin des Integrierten Graduiertenkollegs im SFB 1015 ›Muße. Konzepte – Räume – Figuren‹ und verantwortlich für Gleichberechtigungs- sowie Gender und Diversitätsfragen im Forschungsverbund. Ihre Dissertation [summa cum laude] Rückzugsorte des Erzählens beschäftigt sich mit autobiographischer Selbstkonsitution und Muße in der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts [ausgezeichnet mit dem Elise-Richter-Preis 2019] und ist 2018 bei Mohr Siebeck erschienen. Zwischen 2013 und 2016 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin im SFB 1015 ›Muße‹ beschäftigt.